Der Film Satellites kreist um eine real gewordene Utopie der Moderne – eines der ambitioniertesten und großangelegtesten Projekte avantgardistischen Bauens der 1920er Jahre – die von dem Corbusierschüler František L. Gahura als Produktionszentrum des Schuhfabrikanten und späteren Weltmarktführeres Tomáš Bat’a errichtete Fabrikstadt Zlín in Tschechien.

 

Hier sollten die Ideale einer rein funktionalen Stadt verwirklicht werden, wie sie von den konstruktivistischen Avantgarden in Paris, Dessau oder Moskau vorgedacht waren. Von Beginn an stand diese Utopie unter der Führung und Kontrolle des Kapitalisten und Monopolisten Tomáš Bat’a – er war auch der Bürgermeister dieser Stadt – und blieb trotz Unterbringung der Arbeiterfamilien in Gartenhäusern vor den Toren der Fabrik vor allem dem Ziel der Produktivitäts- und Gewinnsteigerung des Bata-Schuhkonzerns verpflichtet – Massenproduktion am Fließband im Rahmen einer Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitern und dem Unternehmen. Dieses realisierte Modell einer universalen Stadt verband die Produktion des „Neuen Menschen“ mit der Produktion von Schuhen und wurde ab Anfang 1930 mit der Expansion des Konzerns in die ganze Welt exportiert. Das klassische europäische Modell einer Stadt wird ad absurdum geführt – die Innenstadt wächst hier nicht um die Kirche und das Rathaus herum, sondern um die Fabrik. Schulen, Krankenhäuser, Kinos – Arbeit sowie Freizeit werden im Zeichen der Utopie homogenisiert und diktatorisch vereinheitlicht.

 

Der Film zeigt fünf dieser an europäischen Produktionsniederlassungen des Schuhkonzerns erbauten Satellitenstädte, die sogenannten „Bata-Villes“ und folgt den Spuren eines frühen Beispiels von Globalisierung und dem pragmatischen Umgang mit diesem Erbe durch die vergangenen Jahrzehnte.

 

Satellites ist zugleich der praktische Projektteil der Dissertation von Sebastian Mühl zur Aktualität der Utopie in der Gegenwartskunst. Die Arbeit wurde zwischen 2013 und 2017 an der HfG Offenbach realisiert und von Prof. Dr. Juliane Rebentisch sowie Prof. Rotraut Pape betreut. Zum Film erscheint ein Begleitheft, das die Geschichte sowie die gegenwärtige Rezeption von Zlín sowie der Company Towns reflektiert.

 

Konzept, Kamera, Schnitt: Sebastian Mühl

 

Musik, Sounddesign: CFM

 

Postproduktion: Sebastian Mühl, Stefan Hurtig

 

Die Arbeit wurde unterstützt durch: Aimee van den Berg, Annika Frye, Ghislain Gad, Astrid Hoppenbrouvers, Aykut Koc, Rotraut Pape, Thorsten Pries, Anna Syska, Juliane Rebentisch, Adrian Williams, Bernd Zimmermann, hfg_of_main.

Ausstellungsansichten HfG Offenbach, Juli 2018.