Das Seminar wird rückblickend auf historische Positionen, die den Utopietopos in seiner Verschränkung mit der ästhetischen Moderne verständlich machen, Phänomene der Gegenwartkunst und der Populärkultur der Gegenwart in den Blick nehmen: historiografische Ansätze einer kritischen Modernerezeption, neuere Praktiken der Partizipation und Gemeinschaftsbildung in bildender Kunst sowie Formen der kulturindustriellen Verschränkung von Pop, Massenkultur und Utopie. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie die ästhetischen Bildmedien in ihrem Utopiebezug erscheinen und wie sie zur Konstituierung einer Kritik der politischen Gegenwart beizutragen vermögen.

 

Das Seminar handelt von aktuellen Phänomenen der Gegenwartskunst und Populärkultur, die als Träger von historischen und zeitgenössischen Utopieformationen in Erscheinung treten. Ziel der Lehrveranstaltung ist, mit der Analyse der medialen und ästhetischen Formen zugleich die normativen Grundlagen von Utopiebildungsprozessen in der politischen Gegenwart herauszuarbeiten und diese einer kritischen Revision zu unterziehen. Es wird die Frage gestellt, wie die Gegenwartskunst als Träger von Ideologien, Utopien und politischen Programmatiken fungiert, und ob überhaupt Utopien als Fluchtpunkte einer politischen Ästhetik heute taugen. In den Verfahren der Aneignung, Aktualisierung und Kritik von Utopien treten zugleich politische Selbstverständnisse einer Gegenwartskultur hervor, die vor dem Hintergrund von Zeitdiagnosen zu hinterfragen sind.

 

In der Lehrveranstaltung werden einschlägige Texte gelesen, die das Problem der Utopie auf den unterschiedlichen Feldern von Kunsttheorie, philosophischer Ästhetik, Politischer Theorie sowie der Populärkultur perspektivieren. Dabei geht es vor allem darum, die jeweiligen Texte mit praktischen Beispielen aus der Gegenwartskunst und Popkultur in Verbindung zu bringen, um diese interpretatorisch aufzuschließen und Spannungsverhältnisse sowie Idiosynkrasien zwischen Theorie und Praxis zu diskutieren.

 

Ausgangsliteratur:

 

– Molly Nesbit, Hans Ulrich Obrist, Rirkrit Tiravanija, „What is a Station?“ in: Francesco Bonami, u.a. (Hg.), International Art Exhibition. Dreams and Conflicts – The Dictatorship of the Viewer, Ausst. Kat. Venedig 2003, S. 327–336.

 

– Friedrich Schiller, Über die Ästhetische Erziehung des Menschen (1795), Frankfurt/M. 2009.

 

– Theodor W. Adorno, „Ist die Kunst heiter?“, in: ders., Noten zur Literatur, GS 11, Frankfurt/M. 1974, S. 599–606, sowie: Theodor W. Adorno, „Der Artist als Statthalter“, in: ders., Noten zur Literatur, GS11, Frankfurt/M. 1974, S. 114–126.

 

– Nicolas Bourriaud, Relational Aesthetics, Dijon 2002 (1998).

 

– Richard Dyer, „Entertainment and utopia“, in: ders., Only Entertainment, London und New York, 2002, S. 19–35.

 

– Frederic Jameson, „Reification and Utopia in Mass Culture“, in: Social Text, Nr. 1, Winter 1979, S. 130–148.